Dekanat Rodgau

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    Pfarrer Dr. Tharwat Kades feiert 60. Ordinationsjubiläum

    Brückenbauer zwischen den Religionen

    Das macht ihm so schnell keiner nach: Vor 60 Jahren wurde Pfarrer Dr. Tharwat Kades in Kairo ordiniert, nun beging er sein diamantenes Ordinationsjubiläum im Langener Petrus-Gemeindehaus, wo er mehr als 25 Jahre als Seelsorger wirkte.

    Der Festgottesdienst stand unter dem Bibelwort „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jesaja 43,1). Worte, die für den Theologen stets Programm waren: Er versteht sich als Pfarrer auf Lebenszeit, arbeitet nach wie vor unermüdlich an zahlreichen Projekten und engagiert sich in etlichen Ämtern. Den Gottesdienst gestalteten Pfarrer Dr. Tharwat Kades, Pfarrerin Christiane Musch, die sich in Langen aktuell sehr für den Interreligiösen Dialog einsetzt, und Dekan Steffen Held. Im Anschluss luden Gemeinde und Dekanat zum Empfang ein.

    Steffen Held, der im Auftrag der Kirchenleitung die Ehrung für Tharwat Kades vornahm, hob insbesondere die Verdienste des Theologen für den Dialog zwischen den Kulturen und Religionen hervor. „Während seiner Zeit im Petrus-Pfarramt fungierte Dr. Kades als Beauftragter für Mission und Ökumene im Kirchenkreis“, führt Held aus. „Er initiierte den deutsch-ägyptischen Jugendaustausch mit der Presbyterianischen Nilsynode, der seit 42 Jahren in unserem Dekanat besteht – im Sommer wird wieder eine Gruppe junger Ägypterinnen und Ägypter in der Region zu Besuch sein,“ so der Dekan im Evangelischen Dekanat Dreieich-Rodgau. 2014 habe er den Anstoß zu einem Modellprojekt gegeben, in dem sich seit nunmehr zehn Jahren deutsche und ägyptische Erzieherinnen über Demokratieerziehung, Resilienzförderung, Elternpartizipation und religiöse Bildung in Kindertagesstätten austauschen. „Im Juni erwarten wir zwölf Ägypterinnen als Gäste“, erklärt Held. Im Laufe seines langjährigen Wirkens sei Kades „zu einem Brückenbauer zwischen Ägyptern und Deutschen geworden, zwischen Christen und Muslimen.“

    Aufgewachsen in einer christlichen Familie im mittelägyptischen Mallawi ist Kades von Kindesbeinen an mit dem Miteinander von unterschiedlichen Religionen vertraut: In seiner eigenen Familie gibt es koptisch orthodoxe, katholische, und evangelische Mitglieder, in der Nachbarschaft lebten viele Muslime. Den Anstoß für seine Berufswahl gab letztlich seine Mutter: „Sie wünschte sich so sehr, dass eines ihrer Kinder Pfarrer wird, dass gleich drei ihrer Söhne diesem Wunsch nachkamen – darunter auch ich“, schmunzelt Kades, der diese Entscheidung bis zum heutigen Tage nicht bereut.

    Nach dem naturwissenschaftlichen Abitur ging er 1958 nach Kairo. Als jüngster Student am evangelischen theologischen Seminar hatte er als 19-Jähriger bereits den Bachelor-Abschluss in der Tasche und wurde nach dreijähriger Vikariatszeit 1964 in Kairo ordiniert. Es folgten drei Jahre als Jugendpfarrer im Nildelta. In dieser Zeit „pflanzte“ er nicht nur drei Gemeinden, sondern er lernte auch seine spätere Frau Nahed kennen, die später in Langen als niedergelassene Ärztin praktizierte.

    1967 war der Geistliche der Einladung des Missionswerks „Frohe Botschaft“ nach Deutschland gefolgt, um ein Jahr lang die christliche Schüler- und Studentenarbeit hierzulande kennenzulernen. Dem schloss er ein vierjähriges Studium der Evangelischen Theologie in Heidelberg mit dem Schwerpunkt Islamwissenschaften an, fungierte als Seelsorger für arabisch sprechende Studenten, erwarb einen Magister in Diakoniewissenschaften und wurde später in Louisville (Kentucky) und Heidelberg promoviert. Seine erste Pfarrstelle übernahm Kades 1973 an der evangelischen Johannesgemeinde in Offenbach. Nach der Prüfung vor dem Pfarrerausschuss erfolgte dort am zweiten Advent 1974 seine offizielle Einführung als Pfarrer auf Lebenszeit. Von 1976 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2002 war er in Langen im Amt.

    „Ich bin zwar im Ruhestand, aber ich bin berufen und arbeite in Gottes Reichtum weiter, solange ich kann“, stellt er fest. Der Autor von etlichen Büchern in arabischer, deutscher und englischer Sprache übersetzt seit nunmehr zehn Jahren die „Losungen“ von der deutschen in die arabische Sprache. Gerade beginnt er mit der Ausgabe für 2025. Ein Projekt aus dem Jahr 2017 lässt ihn ebenfalls nicht los: Im Rahmen des Reformationsjubiläums hatte er an einem Kalender mit Zitaten von Luther, Melanchthon, Zwingli und Calvin in arabischer Kalligraphie mitgewirkt. Für 2027 bereitet er nun ein Buch vor, in dem er Martin Luthers Sprüchen Sentenzen islamischer Geistlicher gegenüberstellt.

    2014 mit dem Ehrenamtspreis der Stadt Langen ausgezeichnet, setzt er sich nach wie vor unablässig für den regen Austausch und ein friedliches Miteinander verschiedener Kulturen ein – so als Vorsitzender des deutsch-ägyptischen Freundschaftsvereins Langen sowie des Zentralrats der ägyptischen Vereine in Deutschland – zeitweise auch für ganz Europa. Seit 2021 amtiert er als Stellvertretender Vositzender des Ausländerbeirats der Sterzbachstadt. Und seit Jahresbeginn gehört er dem Verwaltungsausschuss des Kreisjugendbildungswerks im Kreisausländerbeirat des Landkreises Offenbach an. „Ich möchte meine langjährigen Erfahrungen gerne in der Kommunalpolitik weitergeben“, erläutert er seine Motivation.

    Kades war acht Jahre lang Vorsitzender des Rates für Ökumene und interreligiösen Dialog der Nilsynode und stand vier Jahre lang der 2011 gegründeten Internationalen Evangelischen Arabischen Gemeinde in Deutschland und Europa vor. Von 1997 bis 2007 hatte der Geistliche an der Theologischen Fakultät der Frankfurter Goethe-Universität einen Lehrauftrag für interreligiösen Dialog inne. Bis 2014 lehrte er in der Theologenausbildung in Kairo Interreligiösen Dialog und Diakoniewissenschaften. Seit 2019 amtiert er als Direktor der von ihm mitgegründeten Akademie für interreligiösen Dialog in Kairo, wo er mit Theologen aus der ganzen Welt im Austausch steht.

    Mit seiner Frau, seinen beiden Töchtern und den fünf Enkeltöchtern lebt er nach wie vor in Langen. Der Pfarrer ist ein großer Fußballfan, bis zu seinem 50. Lebensjahr kickte er noch selbst. Er liebt orientalische Musik und Kunst, und er reist gerne: „Ich war schon in 60 Ländern dieser Welt“, rechnet er zusammen.

    „Der Frieden ist mein Lebensthema“, sagt er. „Ich werde den Dialog weiterführen und träume davon, dass Frieden zwischen den Konfessionen und Kulturen herrscht.“ Bis es soweit ist, pendelt er zwischen den Welten und stellt sich der Herausforderung, ägyptische Spontaneität und Emotionalität mit deutscher Systematik in Einklang zu bringen.

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